Magazin klassik

Das Ensemble Northernlight liefert eine frische und überzeugende Interpretation von Schuberts Oktett D 803 und dem Quartettsatz c-Moll D 703.
Das Oktett F-Dur D 803 von Franz Schubert hält für die Interpreten einige Herausforderungen bereit: Zum einen ist das Werk mit technischen Tücken nur so gespickt. Durch die Oktavierungen des Instrumentalsatzes wird das Klangbild schon durch kleinste intonatorische Schwankung getrübt. Zudem stehen die Künstler auch vor der Aufgabe, eine Brücke zu schlagen zwischen den Sätzen kunstvoller Komplexität und den Teilen, die eher der Divertimentotradition entspringen. Bei dem belgischen Label Phi erschien nun die CD eines weiteren Ensembles, das sich den hohen Schwierigkeiten gestellt hat: Die Musiker des Edding Quartets (Baptiste Lopez, Caroline Bayet, Violine; Deirdre Dowling, Viola; Ageet Zweistra, Cello) formieren sich mit Damien Guffroy (Kontrabass), Nicola Boud (Klarinette), Julien Debordes (Fagott) und Nicolas Chedmail (Horn) zum Ensemble Northernlight, um dieses Werk für Streicher und Bläser von Franz Schubert zum Klingen zu bringen.
Die Einzelleistungen der Interpreten wie auch das Zusammenspiel sind exzellent. Die beiden Geiger agieren präzise, die Violoncellokantilenen erklingen klangschön und in der Phrasierung durchdacht, Horn- und Klarinettensoli gelingen angenehm weich. Die Musiker kennen sich untereinander; und sie kennen auch die Instrumente der Mitspieler, das ist offensichtlich. So ist auch das Vibrato der Streicher auf die Spielweise der Bläser abgestimmt und lässt eine ausgezeichnete Klangbalance entstehen. Es ist wunderbar zu hören, wie stimmungsvoll die von Schubert wohl beabsichtigte Balance zwischen Streichern und Bläsern klanglich umgesetzt wird. Weil jeder der fünf Streicher wie auch der drei Bläser sich solistisch zurücknimmt, mischen sich die Klangfarben der Instrumente zu einem herrlich vielschichtigen musikalischen Geflecht. Rhythmische Präzision, viel Spannkraft und Spielfreude, sind im ‘Allegro vivace’ auszumachen. Herrlich gelingt auch der Anfang des ‘Andante con variazioni’. Der vordergründige Dialog zwischen Violine und Klarinette fügt sich immer wieder perfekt in die Hintergrundtextur der Begleitstimmen ein. Der letzte Satz zeichnet sich erneut durch eine die ganze Interpretation durchziehende Leichtigkeit und großen Spielwitz aus; fein artikulierte Akzente gehen mit den klar herausgearbeiteten Spannungsbögen Hand in Hand.
Auch im Quartettsatz ‘Allegro’ c-Moll D 703 legen die Musiker des Edding Quartetts eine packende und durchdachte Interpretation vor. Die Melodie in der ersten Violine legt sich über die präzis agierenden Begleitstimmen, was sich im Gesamtklang harmonisch zu einem eng geknüpften musikalischen Geflecht verbindet. Die dynamischen Abstufungen und Akzente wie auch kleine agogische Verzögerungen innerhalb der Phrasierung verleihen dieser Deutung innere Spannung. An manchen Stellen hätte man sich jedoch hier – wie auch im Oktett – etwas mehr Biss in der dynamischen Kontrastbildung gewünscht.